Nicht wahr? Väter sind schon eine besondere Sorte Mensch. Erst vergöttert man sie, dann kann man gar nicht schnell genug erwachsen werden, um es ihnen zu zeigen, und dann vermisst man sie. Nun ja, das Vermissen dauert viel länger als die kurze Teenagerrevolution. Und Väter kommen manchmal auf wundersame Ideen.
So stand mein Vater eines Tages im Advent in der Küche, die er sonst nur zum Essen betritt - ein letztes Relikt der alten Rollenverteilung - und bat mich, mit ihm eine Weihnachtstorte zu backen. Ich war damals noch in der Grund- oder maximal in der Mittelschule, aber gebacken hatte ich schon sehr viel. Mein Vater noch nie.
"Also gut, machen wir. Was für eine Torte willst du haben?"
Wir überlegten und entschieden uns dann für eine Orangentorte mit Pudding-Sahne-Füllung. Und dann ging's los. Anfangs skeptisch, verließ meine Mutter dann doch die Küche und ließ uns allein.
Der Tortenboden war schnell gemacht, die Orangen bald geschält, jetzt ging es um den Kern der Sache, es ging um die Füllung. Der Pudding war gekocht und abgekühlt, mein Vater schlug schon mal die Sahne für die Außenverzierung, den Tortenboden hatte er schon gleichmäßig in drei Scheiben geschnitten.
Der noch ein bisschen warme Pudding erhielt nun seine Aromen, Zimt und ein paar Tropfen Buttermandelaroma, Vanillezucker und eine Prise Vanillearoma - die Gerüche vermischten sich zu einem himmlischen Vorweihnachtskonzert. Mein Vater und ich überlegten, ob noch etwas fehlte. Als wir uns einig waren, rührte ich einen Teil Sahne unter den Pudding, während mein Vater die Tortenböden mit Orangenmarmelade bestrich und Orangenscheiben darauf verteilte. Wir füllten gemeinsam die Creme zwischen die Schichten und bestrichen dann die ganze Torte von allen Seiten mit Sahne. Die Dekoration machten wir auch gemeinsam.
Und dann stand sie da, unsere Orangentorte. Wir öffneten die Küchentür und fanden den Rest der Familie dahinter vor.
"Mmmhh, das riecht ja gar nicht verbrannt, sondern lecker."
Tja, so kann's kommen.
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| Foto von Pixabay |

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