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Mittwoch, 22. Juli 2026

Drabble Dienstag: "Glücksmomente"

 “Hier, nimm die”, Silke hielt ihrer Schwester etwas unter die Nase, “Das ist meine Glückssocke. Du brauchst doch etwas Geborgtes, etwas Gebrauchtes undsoweiter, du weißt schon.” 

“Eine Socke?” Sonja kräuselte ihre Nase.
“Ist gewaschen. Logisch. Beeil dich, Schwesterlein. Lass die Hochzeitsgäste nicht warten.”
“Und Jörg nicht zu vergessen.”
“Den auch.”

Jörg drehte sich halb im Schlaf, sein Arm fuhr automatisch nach links, um Sonja auf die Seite zu drehen. Das misslang heute. Das Dröhnen neben ihm weckte ihn jetzt ganz auf.
‘Drei Uhr morgens. Gütiger, wie viel gibt es für Gattenmord? Lebenslänglich? Lebenslänglich.  Besser, ein zweites Schlafzimmer für mich einrichten.’


Foto von Pixabay


Samstag, 13. Juni 2026

Chaosfreitag: Legende

 Wir waren bereit. Hannes machte eine Räuberleiter und ich gelangte so über die Mauer hinüber. Hannes warf den Rucksack und seinen Strohhut hinterher, dann kam er selbst nach. 
Die Strickleiter hinauf zum Baumhaus konnte ich allein erklimmen. Maja und Fiete waren schon da; sie saßen gemütlich auf einen  besonders samtig-weichen Teppich angelehnt an diversen bunten Kissen. Ich ließ mich fallen.
"Ich liebe diesen herrlichen Flohteppich!" rief ich dabei aus.
"Flockteppich, Sina, nicht Flohteppich." Mein Bruder mal wieder.
"Och ..."
"Hast du das Buch dabei? Können wir anfangen?" Maja und Fiete waren so ungeduldig.
"Klar. Und Kekse und Schokolade habe ich auch dabei. "Hannes holte alles aus dem Rucksack heraus. Jetzt schlug er das Buch dort auf, wo eine Trockenblume steckte. Die Seite zeigte eine blaue Blume. Hannes steckte sich die Trockenblume an seinen Strohhut.
"Heute erzähle ich euch die Legende von der blauen Blume", sagte er.
Die Märchenstunde begann.

Foto Skyler Ewing


Sonntag, 15. März 2026

Gelbes Stelldichein

 Ich weiß, ich glaube den Frühling schon zu hören, wenn sich der erste Schnee wegschleicht. Ich war nun auch noch nie ein Fan von der Jahreszeit Winter gewesen.
Aber diesmal war es anders. Zumindest glaubte ich das. Wochenlang war der Schnee im neuen Jahr liegengeblieben; selbst als die Sonne etwas wärmer wurde, schmolz der Schnee nur quälend langsam. Und dann schien sie doch eine Stunde lang etwas wärmer, und ich spazierte ihr entgegen. Es ging einen Hang hinauf, und oben angekommen begrüßte mich ein heiteres Summen und munteres Treiben. Bienen, Hummeln und ihre Verwandten besuchten die frisch aufgeblühten Winterlinge im hellen Sonnenlicht.
Nun steckt im Blumennamen der Winter drin, und so war es eine Woche später wieder winterlich.




Freitag, 13. März 2026

Keine Zeit zu träumen

 Die Brühe brodelt schon fast im Topf. Es dampft schon ein wenig, und meine Nase freut sich jetzt schon auf den Moment, wenn die Maultaschen in den Topf gleiten und sie in der kochenden Hitze ihr Aroma verbreiten können.
Es klingelt. Mandy bellt. Ich eile zum Waschbecken, um mir den Zwiebelsaft vom Schnippeln abzuwaschen. "Komme!" rufe ich. Wieder bellt Mandy. Hilfesuchend blicke ich mich nach einem Handtuch um. Mandy bewacht die Tür. Nicht immer einfach, das Leben eines Hundebesitzers. Endlich ist die Tür auf.
"Können wir jetzt los? Mit Mandy Gassi gehen?" Die Nachbarskinder.
"Ihr seit aber pünktlich. Hier ist die Leine und viel Spaß."
In der Küche kocht derweil die Brühe über. Hätte ich nur früher angefangen.





Mittwoch, 11. März 2026

Elemente: Insel

 Wellen rollten gegen Strand aus schwarzem Sand. Doch meistens spritzten sie hoch auf gegen Felsen. Hier im Süden bedeckt grau-schwarze Kieserde das Land. Wasser war selten, und nur mühsam wuchs hier alles. Die Weinstöcke der Winzer gediehen durch das Zusammenspiel von Sonnenhitze und dunkler Erde. Die Mulden, in denen jeder Stock gepflanzt war, verdunstete jede Feuchtigkeit im Kegel sofort, und dadurch erhielt der Wein seine Lebenskraft.
Im Norden nur hing tagtäglich der Nebel in Tropfen in den Blättern der Bäume fest. Wolken zogen sich die grünen Hänge hinauf und entließen dabei Feuchtigkeit.
Im Herzen der Insel war anderes Grün. Oxidiertes Eisen zierte die Felsen, welche ihn schmückten oder beschützten, den im Innern glutheiß brodelnden Kegelberg des Vulkans, von dem man nie wusste, ob er ruhte oder spucken würde.
Ewig rollt das Meer, stetig zieht die Luft, Wasser passt sich an, Feuer spielt, wie es ihm gefällt, Erde verwandelt.




Donnerstag, 26. Februar 2026

Seelenfarbe

 

Foto von Mable Amber

Endlich entlockte der Frühling meinem wintermüden Körper lang ersehnte Bewegungsimpulse. Gestern gab es Wandfarbe im Angebot. Im Herbst hatte ich das Streichen nicht mehr geschafft, aber jetzt war der richtige Zeitpunkt gekommen.
Wie glücklich war ich, dass ich meine Lieblingsfarbe nicht erst anmischen musste. Das Schicksal hatte sie fertig für mich in den Supermarkt gestellt. Ich bereitete alles vor, klebte ab, legte den Fußboden aus, befreite die Wände von Spinnweben. Naja, die Reihenfolge stimmt vielleicht nicht ganz. Und die anderen Utensilien musste ich auch noch vorbereiten, man streicht ja nicht jeden Tag seinen Flur. 
Doch dann ging's los. Das etwas grau gewordene Weiß wurde übertüncht. Neue Farbe strahlte Gemütlichkeit aus. Und Lebensfreude. Ein mittelhelles Grün tat der Seele so gut!
Da hörte ich eine Zimmertür sich öffnen. Klappern in der Küche, ein unterdrückter Fluch. Oh je, düstere Vorahnungen beschlichen mich.
"Mareike, bist du das? Hast du gut geschlafen?" Ich biss mir auf die Lippen. Letzte Frage reizte morgenmufflige Teenager nur noch mehr.
Statt einer Antwort hörte ich die Badezimmertür klappen. Ich strich weiter. 
"Was ist das denn?" Entsetzen stand in Mareikes Gesicht geschrieben. Vielleicht auch in meinem. Sollte die Nutzung von Kamm und Bürste nicht Ordnung schaffen? Aber vor mir stand ein entrüsteter Teenager - zur Zeit normal - mit Haaren, die in unendlich viele Richtungen frisiert worden waren, mit aufgerissenen Mund und geweiteten Augen.
"Trauerweiden-Grün ist keine Farbe für die Wand. Das weiß doch jeder, Mama. Einfach nur peinlich." Und damit verschwand meine allerliebste Gewitterziege auf die Straße hinaus.

 

Freitag, 6. Februar 2026

Luftschlange

 Der Esstisch stand schief im Raum. Die Gläser darauf halbvoll oder leer, manche umgeworfen. Essensreste bedeckten den Tisch. Die Teller dazu verteilt, zerbrochen auf dem Boden. Stühle umgeworfen. Ein Tortenklecks an der Wand. Daneben etwas Blut. Hier war sie gegen die Wand geknallt, genau neben dem Fleck Geburtstagstorte. Jetzt lag sie, wie die anderen auch, bewusstlos, wie tot auf dem Fußboden. 
Er griff nach etwas auf dem Tisch, auf dem sich wacker zwei Kerzen erhalten hatten. Er nahm die bunten, aneinandergeklebten Bänder der Luftschlange in die Hand und blies sie auf. Natürlich verfing sie sich in den brennenden Kerzen, und bald brannte es überall. Aber da waren er und sein Schatten schon längst verschwunden.

 

Foto von Freepik

Donnerstag, 5. Februar 2026

Drabble: Katze, Pfote, Messer

 Gemütlich schlich sich die grau-getigerte Katze durch die Katzenklappe in den Garten. Sorgsam eine Pfote vor die andere setzend spazierte sie um den kleinen Gartenteich und beobachtete die Fische darin. Die Sonne strahlte am Himmel und beleuchtete die Szene. Sam fand ihren Platz, an dem die Sonnenwärme ihren Pelz streichelte und sie die Fische im Teich beobachten konnte. Die Unruhe im Wasser steigerte sich ständig. Wasser glitzerte in der Bewegung und der Sonne. Sams Blick wurde hypnotisch. Ihre Augen folgten dem Funkeln. Jetzt setzte sie sich auf, schlug Richtung Wasser aus und erwischte dabei das über dem Wasser hängende Messer.


Foto von Pixabay


Freitag, 16. Januar 2026

Lichtschein | short short Story für #shortstorydienstag

 




"Nein, nein, nein." Angstvoll riss Sandra die Arme vor ihr Gesicht. Ihr Körper windete sich, um die Gefahr abzuwehren. Es schien nicht zu helfen. ES rückte immer näher. Es gab kein Entkommen. Sandra seufzte aufgebend, schrie, sich auf das Ende vorbereitend, kniff zuerst ganz fest die Augen zusammen und - einem Impuls folgend - riss sie dann ganz weit auf.
Und weg war die Gefahr. Ihr Körper bebte noch ganz und gar; ein Schatten der eben durchlittenen Pein haftete noch in Sandras Gedächtnis. Doch jetzt erhob sie sich mit automatischen Bewegungen. Sie fand alles, ohne sehen zu können, entnahm dem Päckchen ein Hölzchen, strich entlang und ein Funke berührte den Docht.
Im Nu tauchte der Lichtschein alles in behagliche Gemütlichkeit. Sandra schüttelte die Schatten des Albtraums ab und schlurfte in die Küche, um Frühstück zu machen.






Donnerstag, 13. Februar 2025

Paradise Island

 Golden erwachte die Sonne. In neuer Frische leuchteten die Farben wieder auf. Langsam sogen sie die Wärme der Sonnenstrahlen auf, bevor sich die Blüten der Blumen öffneten. Ihr Duft entfaltete sich nach und nach.

Erste Bewohner des fliegenden Volkes setzen sich mit ihren durchsichtigen oder bunten Flügeln in die nun schon wärmere Sonne. Immer mehr verströmte sich der Duft der roten und orangefarbenen Blüten. Das lockte ihre Liebhaber, die kleinen, schnell fliegenden Vögel in blau-grünen Federkleid an. Sie liebten den Nektar der Blumen. Im schwirrenden Flug tranken sie sich satt.

Von den frischen Strahlen des Morgens nun aufgewärmt schwirrten die Bienen, die Schwebfliegen, die Köcherfliegen und die Schmetterlinge mit ihren Verwandten los und besuchten die ihnen lieb gewordenen Blumen. Es surrte vor Begegnungen. Der allgemeine Tanz des Lebens fiel auf fruchtbaren Boden.

Gesättigt wurde nun so mancher Tanz aufgeführt, um dem Leben zu danken. Allmählich wurde es Zeit für die bunten und zartrosa-weißen Vögel. Auch sie wollten sich laben. Sie streckten ihre Gefieder und dehnten sich in alle Richtungen, bevor sie ihren Gesang losließen. Nun, nicht jeder empfand es als Gesang. Aber es wurde gehört. Und wer es hören sollte, der hörte. Es blieb Zeit, sich zu verbergen. Unsichtbar zu werden. Dies galt für Insekten, Tierchen und Blumen gleichermaßen. Die, die bleiben wollten, blieben. So war das Gesetz der Insel. Und so flog Kakadu los zu seinem täglichen Mahl. Denn auch das war Gesetz der Insel. Hier hungerte niemand.

Und so flog Kakadu los, um zu essen. Er erhob sich und kreiste immer höher und höher wie nur ein Adler es konnte. Und dann sah er auf die Insel hinab. Und da erst erkannte er, dass er auf einer Insel lebte. Diese Insel erschien ihm wunderschön. Sie war bis zum Strand voller üppiger Bäume und Büsche. Er hörte bis zum Himmel hinauf das Singen der Vögel, und er roch bis zum Himmel hinauf den süßen Duft von Blumen und Blüten der Bäume und Büsche. Es schien Kakadu, als könne er bis zum Himmel die Liebe, die auf seiner Insel lebte, spüren.

Kakadu flatterte noch höher. Da spürte er eine Hitze auf seinen Flügeln. Seine Augen weiteten sich. Er sah sich um. Nicht der Sonne war er zu nahe gekommen, nein, das vernichtende Feuer der Nachbarinseln war genauso hoch geflogen wie Kakadu.

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