Samstag, 30. Mai 2026

Kurzgeschichten am Freitag: Spiel des Lebens

 Es war der Punkt, der mir auf die harte Tour etwas Wesentliches übers Leben beibrachte: Dankbar zu sein, für das was man hatte anstatt traurig über einen Verlust zu sein.
An der Wand über meinem Platz am Esstisch hingen Papierblätter, auf denen viele Bildchen aus diesen Schokoriegelverpackungen geklebt waren. Sie alle zeigten bunte Meeresfische. Wie gerne wollte ich sie einmal in ihrer echten Umgebung sehen!
Zu den wenigen guten (letztendlich aber auch gefährlichen) Dingen aus meiner Ehe gehörte die Möglichkeit, das Sporttauchen erlernen zu können. Und so ergab es sich dann auch, dass ich im Roten Meer eine Tauchsafari mitmachen konnte.
Allerdings hatte ich, besonders in kaltem Wasser, Probleme mit dem Druckausgleich, was mir manchmal den Abstieg unmöglich machte, manchmal mir höllische Kopfschmerzen einbrachte. Deshalb ging ich zum Arzt. Der schlug mir einen kleinen Eingriff in der Nase vor, um die Nasenlöcher zu weiten. Ich nutzte die Chance. Es brachte fast nichts. Wieder zum Arzt hin. Diagnose. Jeder weitere Tauchgang barg die Gefahr des Verlustes meines Hörvermögens. Das Ende des Tauchens!
Ich saß danach starr am Küchentisch und bemerkte kaum, wie das Eis in der Packung vor mir zu schmelzen begann. Nie mehr tauchen. Es dauerte lange, bis ich es begriff. Ich saß am Seeufer, sah in die Ferne. Nie mehr einen Hecht sehen. Ein Reiter kam vorbeigeritten. Nie mehr reiten (dachte ich damals wegen meiner Gehbehinderung). Nur noch Schnorcheln.
Aber immerhin Schnorcheln. Und was ich zu schnorcheln anfing. In See und Teich und Mittelmeer. Und außerdem hatte ich einen großen Strauß Erinnerungen und eine Handvoll Gedichte von unter der Meeresoberfläche. 





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