Mittwoch, 31. Dezember 2025

Jahreswechsel

 Ja, Kreisläufe bestimmen das Leben.
keine gerade Linie.
Akzeptiere, atme, begreif,
lerne vom Zyklus der Frau,
vom Zyklus der Jahreszeiten,
vom Tage und der Nacht,
vom Mond und den Gezeiten
und lass dich von der Natur leiten.
Zyklen bestimmen das Leben.





Dienstag, 30. Dezember 2025

Treibholz

 Zum Leben "Ja" zu sagen, ist ein Schritt des Wollens.
Ist's nicht genauso bei der Eheschließung? Querer Verweis?
Wer weiß.
"Nein" zu sagen zum Leben, ist auch eine Entscheidung,
aber wohin die wohl führen wird?
Sich nicht zu entscheiden, ist auch eine Entscheidung,
die Entscheidung dahinzutreiben.






Montag, 29. Dezember 2025

Winter

 Gestern noch sah ich ein Bild,

ein Bild, das ich vor Jahren beschrieb.

Heute erscheint es mir wie ein Relikt

uralter Zeiten - und mich wärmt 

die Erinnerung daran in eiskalten Zeiten.



In meinem Buch "Kastors Rosen" gibt es mehrere Zyklen. Einer davon ist der Jahreszeitenzyklus in seinen vier Gedichten. Jahrzehnte später bei einem Besuch fand ich genau das Bild, das ich vor meinem geistigen Auge hatte, als ich L'inverno schrieb. Wieder über ein Jahrzehnt später finde ich einen Abklatsch dieses Bildes bei einem Spaziergang wieder. Aber reicht, um sich zu erinnern. 

Was ich damit sagen möchte, ist, dass Gedichte eine Wirkung haben und diese auch behalten. Und auch, dass das heutige Gedicht ein Bild für etwas ist, dass sich durch die Jahrzehnte verändert hat.  

Mittwoch, 24. Dezember 2025

Langsames Geschenke auspacken

 

Es ist schon einige Zeit her, da war meine Familie groß und auch mein tierischer Begleiter wog  gut dreißig Kilo, ein liebenswertes Kraftpaket.

Familienweihnachten waren immer etwas hektisch, weil nie alle zur gleichen Zeit zusammenkommen konnten. Dafür verteilten sich die hereinschneienden Geschenke über einen längeren Zeitraum.

Auch mein Hund wurde von dem ein oder anderen Familienmitglied beschenkt. So bekam er einmal ein in buntes Papier verpacktes Päckchen, das er mühelos aufriss. Gerochen hatte es ja nach nichts weiter, aber sein Spieltrieb war geweckt. 

Und richtig, dem Paket entsprang ein Spielzeug. Ein dünner Ring mit einem Durchmesser wie meine Hand, auf dem Plastikscheiben aufgezogen waren. Mein Hund reagierte ein wenig gelangweilt. Ich dachte, ein neuer Ball wäre ihm vielleicht lieber gewesen. Wir verzogen uns zurück in die Küche und trugen das Festmahl auf. Danach schaute ich noch einmal nach meinem Hund, der Küchenverbot hatte.

"Oh nein!", entfuhr es mir, bevor ich mir auf die Lippen beißen konnte.

"Was ist?" Schon standen alle im Wohnzimmer; nur mein Hund hatte sich aufs Bett zurückgezogen.  Zurückgeblieben waren im Wohnzimmer verstreute Plastikscheiben und ein verbogener, zerkauter Plastikring. Das war mal eine kurze Bescherung.


Foto von Mariya Muschard


Alles Käse

 Ich weiß nicht recht, wenn Werte sich verschieben,

sind sie dann noch echt?

Ist es nicht, wie wenn Mäuse keinen Käse mehr lieben,

ist der Käse deswegen schlecht?

Dann kommt ein Rudel Zwergpinscher an

und befindet den Käse für gut.

Ist's nicht immer derselbe Käse?


Foto von Abhishek Mahajan



Dienstag, 23. Dezember 2025

Mein Tannenbaum? Der war's nicht.

 "Und hier kommt ihr Tannenbaum." Das umzäunte Feld ist vollgestopft mit Tannenbäumen, nur schmale Gänge führen durch das Labyrinth. Der große Ansturm hat noch nicht begonnen, darum ist die Auswahl noch so groß. Ich habe bald eine halbe Stunde gebraucht, um den richtigen zu finden. Während ich jetzt gerade meinen Baum bezahlen will, wird der durch diese Maschine gezogen, die ihn für den Transport mit diesem weißen Netz überzieht. So etwas gab's in meiner Jugend noch nicht, aber irgendwie praktisch. Und da kommt tatsächlich ein Mitarbeiter mit einem Baum zur Kasse.

"Bitte sehr."

"Bitte sehr, was?" Fragend wandern meine Augen zwischen Baum und Mitarbeiter hin und her. 

"Ihr Baum."

"Das ist nicht mein Baum."
"Aber..."

"Der ist ja winzig. So etwas kann doch unmöglich ein Weihnachtsbaum werden. Den übersieht man ja bei all den normal großen Tannenbäumen."

"Genau deswegen habe ich ihn ausgesucht. Als du unseren Baum ausgesucht hast, fiel der kleine da zwischen die anderen Tannen. Schon wollte jemand auf ihn drauftreten. Da dachte ich, warum ihn von seiner großen Tanne trennen, oder ?"

Da kam tatsächlich der Mitarbeiter, dem ich unseren Baum übergeben hatte, zu uns. Und in den Händen trug er unseren Tannenbaum.

"Den kleinen da bekommen sie für einen symbolischen Euro. Hab ich glatt übersehen. Das wäre wirklich eine Stolperfalle geworden. Ihre Kleine hat ein gutes Herz. Frohe Weihnachten."

"Dann haben wir jetzt also einen Babyweihnachtsbaum und einen richtigen Weihnachtsbaum?" Ich sah meine kleine Tochter fragend an.

Aber die nickte nur mit einem breiten Lächeln, das über ihr ganzes Gesicht ging.

Foto von Cottonbro Studio, Pexels


Es weihnachtet bald

Klar erkenne ich, dass Liebe wichtig ist,

dass Liebe da ist, öffne ich nur die Augen für sie.

Mag die Dunkelheit alles zudecken,

in mir schlägt das Licht der Liebe und Hoffnung. 








Montag, 22. Dezember 2025

Ordnung muss sein

 Noch eine dreiviertel Stunde Zeit, bis sie kommen. Der Tisch ist fertig gedeckt, das Badezimmer auf Hochglanz poliert, die Spülmaschine ist ausgeräumt. Nur noch schnell die paar Kleinigkeiten abwaschen. Hatte ich jetzt im Flur staubgewischt? Fingertest. Alles gut. Oh nein, ich habe den Spiegel vergessen. Schnell Reiniger und Tuch her! Jetzt habe ich ein Stück neue Schmutzwäsche. Eben war die Waschmaschine noch schön leer gewesen.
Schnell zurück zum Abwasch. Noch 35 Minuten Zeit. Flugs fliegt der Spüllappen durchs Wasser, abgetrocknet und eingeräumt. Nein, nicht so. Die Gläser und Tassen müssen hundert Prozent gerade in Reihen im Schrank stehen. Fertig. Noch umziehen. Im Schlafzimmer fällt mein Blick auf mein Vision Board. "Perfektion bremst aus", steht da.

'So ein Quatsch', denke ich mir und reiße mir fast das schöne Kleid über den Kopf.  Ich schaue in den Spiegel. Da stehe ich in meinem neuen Kleid und zerzausten Haaren. Noch fünf Minuten. Ich lächle mich - oder das schöne Kleid - im Spiegel an.

'Mein Vater schaut bestimmt nicht nach, ob da ein Geschirrtuch in der Waschmaschine liegt', denke ich mir. Wir wollen Weihnachten zusammen feiern, mehr nicht.

Ich gehe in die Küche hinunter, öffne eine Küchenschranktür und verschiebe eine Tasse, nur ein winziges Stück tanzt sie jetzt aus der Reihe.

Foto von Karola G. auf pexels



Rauhnächte

 Sternenklar die Mitternacht versank,

Sank in meine Träume hinein,

Fand keinen Frieden, denn die Krieger der Nacht

Durchfochten Vergangenes und Vergangenheit.

Heut, am Morgen lösche ich die Nacht,

Entzünde das Licht des Tages

Und bin ganz im Hier und Jetzt.


miteinander ringende Gespenster in der Nacht






Samstag, 20. Dezember 2025

Der limitierte Weihnachtshase

 "NEEIIEN!" Luise stand in ihrer Küche und kriegte die Krise. Eben hatte ihre Freundin aus der Bäckerei angerufen und sie gefragt, ob sie noch einen Nachschub Schokoweihnachtsmänner bekommen könnte. Es war der Tag vor Heiligabend. Zögerlich hatte Luise 'Ja' gesagt. Innerlich verzweifelte sie.

Luises Geschäft war nur zum Teil Bäckerei. Dank ihrer Zusatzausbildung zur Chocolatier bot sie auch Schokoladenprodukte an, wie auch Weihnachtsmänner. Die verkaufte sie auch an andere Geschäfte.

Jetzt stand Luise vor einem Küchenschrank und suchte nach der Weihnachtsmannform, die war schon für das nächste Weihnachtsfest in die hintere Ecke gepackt worden. 

'Wann fiel mir der erste Lebkuchen und der erste Weihnachtsmann im Supermarkt vor die Füße? War das nicht gleich nach ihrem Sommerurlaub gewesen?' Luise kramte weiter, die Schokolade schmolz schon vor sich hin.

Gleich danach hatte der Kiosk um die Ecke ihr den ersten Auftrag im Jahr für Weihnachtsmänner in die Hände gedrückt. Fast nebenbei, als sie gerade ein Eis vom Kioskmann schleckte.

"Wo war diese verflixte Form?" Luise geriet in Rage.

Dabei fiel ihr etwas aus dem Schrank auf die Arbeitsplatte und schepperte leise. Luise hob es auf und grinste von einem Ohr zum anderen.

 "Das wird eine limitierte Sonderausgabe extra für Karoline." feixte Luise und begann begeistert mit ihrer Arbeit. 

Luise war nämlich die Osterhasenform aus dem Schrank gefallen. Deren Saison begann gleich nach dem sechsten Januar.






Wintersonnenwende

Sternensaat mitten in der Nacht,

so verkündet Universum die längste Nacht.

Helle Punkte weisen auf die Wiederkunft des Lichts.

Noch zaghaft - ist klar, aber gewiss.

So will auch ich gewiss sein und nicht zaghaft. 




Freitag, 19. Dezember 2025

Wo ist die Weihnachtsdecke?

 "Wo, um alles in der Welt, ist sie nur?" sprach ich laut und etwas angesäuert mit mir selbst.

"Suchst du was?" kam es aus dem Nebenzimmer.

"Nein!" erwiderte ich kopfschüttelnd.

Sie musste doch irgendwo sein. Wieder ging ich den Inhalt des Kleiderschranks durch. Vielleicht hatte ich sie verlegt. Zum dritten mal holte ich Tischdecke für Tischdecke aus dem kleinen Schränkchen hervor. Nichts. Also legte ich alles wieder hinein.

"Hast du Rocky schon gefüttert?" Die Stimme aus dem Nebenzimmer.

"Heute Nachmittag noch nicht." Rocky war unser Welpe, der am 2. Advent endlich hatte bei uns einziehen dürfen. heute war der 4. Advent, und wenn ich nicht endlich die Weihnachtsdecke finden würde, müssten wir alle an einem weißgedeckten Tisch Kaffeetrinken. Die Sprüche meiner Schwiegermutter konnte ich jetzt schon hören.

"Weißt du wie spät es ist?" 

'Zu spät', dachte ich. Ginge das so weiter, könnte ich in Versuchung geraten...

"Schatz, weißt du, wo die Weihnachtstischdecke ist?" Ein Versuch war es wert.

"Welche meinst du?" - Grrr!

"Die mit den Tannenbaumzweigen und -zapfen und den bunten Waldvögel drauf."

"Ach das hässliche Ding. Das habe ich Rocky ins Körbchen gelegt, als ich seine Decke nicht finden konnte. Vielleicht kuschelt er sich ja gerne im Wald ein."

"Seine Decke lag doch gefaltet im Wäschekorb bereit." Ich war hochrot geworden. Die gute, teure Tischdecke - und die einzige Weihnachtstischdecke.

"Suchst du die hier vielleicht?" Ich hatte meinen Gatten nicht ins Zimmer kommen hören.

"Gefällt sie dir?" In seiner Hand hielt er eine nigelnagelneue Weihnachtsdecke. 

"Ich dachte, etwas Abwechslung könnte nicht schaden. Ein kleines Vorweihnachtsgeschenk, meine Liebe."

Ach, ja.


Foto von Pixabay


  

Für M****

 Es tanzt Liebe in mir.

Liebe zu meinem Leben,

Liebe, Freude zu geben

und Liebe anzunehmen.

Sonnenblume
Foto von Max Andrey


Donnerstag, 18. Dezember 2025

Schneeschlittenfahrt

 Es war so weit. Ich öffnete die Tür und Jack, John, Jimdo und Jilla liefen ins Freie. In meinem Rucksack waren unsere Tagesrationen verstaut. Ich glaubte nicht, dass die vier heute auch nur eine Maus oder einen Fisch fangen würden, aber heute war der erste Schritt zum Selbstständigwerden.

Zunächst jedoch tollten die vier durch die Spätwinterliche Landschaft. Immer voran Jimdo, meist hinterher tapste Jilla. Leicht war sie abzulenken, etwa durch eine Hummel oder eine allererste Blume.

Wir kamen zu einem Fluss. Das Wasser war noch ordentlich kalt, es ging aber eine langer Ast drüber weg. Natürlich hangelte sich Jilla mehr in eleganten Körperbewegungen über den Fluss, als dass sie schnurstracks geradeaus drüber hinweg lief wie Jimdo, mehr oder weniger geradlinig gefolgt von John und Jack.

Hinter dem Fluss überraschte uns ein flacher Hang, der noch vollständig mit Schnell bedeckt war. Und was machten die vier bei diesem Anblick? Sie stürmten wie Lichtpfeile den Hang hoch. Kaum oben angekommen schlitterten sie den Hang hinunter. John mit der Nase voran, Jilla auf dem Po, Jack stolperte mehr hinunter und Jimdo schlug weiche, schnelle Bögen im Schnee.

Vor Freude bei ihrer Schlittenfahrt quickten die kleinen Wölfe im Schnee. Kaum unten angekommen, rannten sie wieder hinauf. Ach, diese Kinder aber auch!

  




Funkenflug

 Schneegestöber im Herzen,

Funkenflug der Liebe,

Sternenstrahlen im Augenlicht,

So wundervoll bist du für mich.





Punkt

 Ist es Güte,

Wenn ich dich belüge

oder Falschheit?

Du kennst den Unterschied,

ich weiß das.

Ich frage mich nur,

warum du dich dem hingibst?


made with Grok.




Mittwoch, 17. Dezember 2025

Rohrreiniger

 "Hurra!" hatte Isabel freudig ausgerufen, und Jasmin hatte nur mühsam gelächelt.

Das Weihnachtswichteln war fester Bestandteil der Firmenweihnachtsfeier, und Isabel hatte es irgendwie hinbekommen, dass genau Jasmin ihr Geschenk bekommen hatte. Isabel freute sich für Jasmin, dass sie ihre Weihnachtsbaumspitze bekommen hatte. So wie sie sie letztes Jahr bewundert hatte! Außer Kolleginnen waren sie auch beste Freundinnen.

Was Isabel nicht wusste, war, dass Jasmin tatsächlich von der wunderbaren Krönung an Isabels Baum überrascht gewesen war, sich aber gleich nach Weihnachten nach so einer Baumspitze erkundigt hatte - und sie schließlich auch gefunden hatte. Im Weihnachtsschlussverkauf; Jasmin war selig gewesen. Wie hätte sie auch ahnen können, dass Isabel auf so eine Idee kam?

Jetzt stand sie im Wohnzimmer vor dem Weihnachtsbaum und suchte nach einer Lösung. In einer halben Stunde würden alle das ein, auch Jasmin.

"Schatz, wie macht sich denn die neue Weihnachtsbaumspitze?" Jörg zog sich schon um.

"Sieht gut aus", log Jasmin.

Jörg klirrte aus Versehen mit einem Kleiderbügel gegen einen Heizkörper. "Tschuldigung", rief er.

Aber eigentlich hätte er das nicht zu tun brauchen. Denn Jasmin war bei diesem Geräusch aus ihrem Ideenkarussell aufgewacht und plötzlich in den Hof gelaufen.

"Genau. Der Stock passt genau. Die Spitze ist perfekt für den Stab." Jasmin verschwand wieder im Haus und stellte beides in den Putzschrank, dorthin, wo Jörg niemals hinsah. Und Jasmin hatte endlich einen ordentlichen Rohrreiniger zur Hand.




   

Brennholz

 Insa liebte ihr kleines Häuschen, das am Waldrand stand. Es lag weit genug von der Straße ab,  so dass sie ihre Ruhe hatte. Dennoch war der nächste Ort gut erreichbar.

Heute wollte sie den Weihnachtsbaum ins Haus holen und schmücken. Also ging sie in Jacke und Stiefeln hinaus, um den Baum aus dem Schuppen zu holen. 

'Da hat Jan aber einen schönen großen Baum für mich geschlagen', freute sich Insa, 'Hoffentlich passt er in meine Wohnstube hinein. Na das wird schon.'

Und schon ging es durch die Haustür hindurch mit dem noch vernetzten Baum. Halbwegs geradewegs steuerte Insa mit dem Baum auf die Ecke zu, in der der Christbaumständer bereit stand. Kräftig schwungvoll hob Insa ihn hinein. Sie hatte genug Übung darin, und, schwupps, stand der Baum an seinem Platz bereit. 

Insa staunte über Jans gutes Augenmaß, denn der Tannenbaum ging genau bis knapp unter die Zimmerdecke. Es war perfekt. Weniger perfekt war, dass Insa jetzt eine Trittleiter brauchte, um das Verpackungsnetz vom Weihnachtsbaum aufzuschneiden.

Seufzend stieg sie die drei Stufen hoch, reckte sich so gut es ging und versuchte, dass Netz aufzuschneiden. Mit etwas Jonglieren schaffte sie es endlich; das Netz riss auf. Aber nun ging es auf einmal ganz schnell, quasi verselbstständigte sich die offene Naht - und im Nu entfaltete der Baum all seine Zweige auf einmal, begleitet und verfolgt von einem kleinen Getöse.

Zugleich hatten die aufspringenden Zweige Insa aus dem Gleichgewicht gebracht und ihre vor sich hinschlummernde Katze aufgeschreckt. Die sprang nun auch noch zwischen den Tritt und brachte Insa ganz und gar aus dem Gleichgewicht. Sie fiel rückwärts auf ihren knackenden Schaukelstuhl, glitt auf den dicken Teppich hinab, und auf sie kippelte der kleine Tritt.

Perplex schüttelte sie sich - wieder gleichzeitig mit ihrer Katze - testete, ob noch alles dran war, und stand auf.

'Verflixt!' dachte sie und wollte sich in ihren geliebten Schaukelstuhl setzen und etwas ausruhen.

Aber was war das? Insa landete wieder auf dem Teppich.

'Ah, das war also das Krachen eben gewesen. Und ich dachte, ich hätte mir etwas gebrochen. Dabei war es der Schaukelstuhl. Nun, der ist hin.'

"Aber wenigstens haben wir jetzt gutes Brennholz für den Weihnachtsabend. Kalt wird uns also nicht werden, Miezi." beruhigte Insa ihre Katze und tätschelte deren Kopf.


 


Innerlich

 Manchmal fragt man sich:

Wo bist du hin, liebes Glücksgefühl?

Dann lehne ich mich zurück,

Schließe die Augen und fühle

Den Frieden in mir.


Foto von Pixabay


Dienstag, 16. Dezember 2025

Es duftet

 Nicht wahr? Väter sind schon eine besondere Sorte Mensch. Erst vergöttert man sie, dann kann man gar nicht schnell genug erwachsen werden, um es ihnen zu zeigen, und dann vermisst man sie. Nun ja, das Vermissen dauert viel länger als die kurze Teenagerrevolution. Und Väter kommen manchmal auf wundersame Ideen.

So stand mein Vater eines Tages im Advent in der Küche, die er sonst nur zum Essen betritt - ein letztes Relikt der alten Rollenverteilung - und bat mich, mit ihm eine Weihnachtstorte zu backen. Ich war damals noch in der Grund- oder maximal in der Mittelschule, aber gebacken hatte ich schon sehr viel. Mein Vater noch nie.

"Also gut, machen wir. Was für eine Torte willst du haben?"

Wir überlegten und entschieden uns dann für eine Orangentorte mit Pudding-Sahne-Füllung. Und dann ging's los. Anfangs skeptisch, verließ meine Mutter dann doch die Küche und ließ uns allein. 

Der Tortenboden war schnell gemacht, die Orangen bald geschält, jetzt ging es um den Kern der Sache, es ging um die Füllung. Der Pudding war gekocht und abgekühlt, mein Vater schlug schon mal die Sahne für die Außenverzierung, den Tortenboden hatte er schon gleichmäßig in drei Scheiben geschnitten.

Der noch ein bisschen warme Pudding erhielt nun seine Aromen, Zimt und ein paar Tropfen Buttermandelaroma, Vanillezucker und eine Prise Vanillearoma - die Gerüche vermischten sich zu einem himmlischen Vorweihnachtskonzert. Mein Vater und ich überlegten, ob noch etwas fehlte. Als wir uns einig waren, rührte ich einen Teil Sahne unter den Pudding, während mein Vater die Tortenböden mit Orangenmarmelade bestrich und Orangenscheiben darauf verteilte. Wir füllten gemeinsam die Creme zwischen die Schichten und bestrichen dann die ganze Torte von allen Seiten mit Sahne. Die Dekoration machten wir auch gemeinsam.

Und dann stand sie da, unsere Orangentorte. Wir öffneten die Küchentür und fanden den Rest der Familie dahinter vor. 

"Mmmhh, das riecht ja gar nicht verbrannt, sondern lecker." 

Tja, so kann's kommen.


Foto von Pixabay



 

Recht haben?

 Nein, es stört meinen inneren Frieden nicht,

Wenn du meinst, ich störe dich.

Gewohnt bin ich's, für mich zu stehen,

So stehe auch du nur für dich und lass mich gehen.





Samstag, 13. Dezember 2025

Tannenbaumweitwurf

Der Fluss zog sich in großen Bögen durch das weite Tal mitten in den Bergen. Während die Berge selbst mit Wald bedeckt waren, war das Tal mit einer saftigen, grünen Wiese bewachsen. Hier fühlten sich Biber wohl.

Heute besserten sie ihren Damm aus, alle waren beschäftigt, auch klein Willibald half mit.

"Aber was ist denn das, Willibald", Fridor lächelte breit vor sich hin, "Hast du denn gar nicht nach oben gesehen, bevor du mit Nagen begonnen hast? Das ist eine Tanne. Die können wir nicht gebrauchen.

Willibald ärgerten die Worte seines älteren Bruders, er wollte nicht zugeben, wie Recht er hatte.

"Nimm das!" Willibald schleuderte die Tanne so weit es nur ging in Richtung Fridor. Der wurde aber nur von ein paar Nadeln gestreift. 
"He. Lass das! Na warte, dich kriege ich." Fridor warf einfach zurück. 

Aber Willibald war nicht nur jünger, sondern auch flinker. Geschickt wich er aus.

"Lasst mich mitspielen", rief Jorge, Willibalds bester Freund. In den Pfoten hielt er eine frische abgenagte junge Tanne. Er warf sie zwischen den beiden Brüdern hindurch. Die schauten sich nur an.

"Ich werfe weiter als du." Und schon flog Willibalds Tanne durch die Luft.

"Tust du nicht." triumphierte Jorge.

"Das wäre doch gelacht." Schon knabberte sich Fridor seine eigene Wurftanne ab.

"He, ich auch. Ich will auch mitmachen." rief Sandor und kümmerte sich um eine Wurftanne.

Die jungen Biber vergaßen während ihres Tannenbaumweitwurfs ganz gar  die Reparatur des Damms.

"Was ist denn hier los?" fragte Papa Biber.
"Ehm, gar nichts." Verlegen kratzten sich die jungen Biber am Kopf.

"Na los. Ich will mal sehen, wie weit ich eine Tanne werfen kann. Aber dann nichts wie weiter mit der Arbeit, sonst werden wir bis zum Essen nicht fertig."
Und das ließ sich keiner zweimal sagen.  

 




Gemeinsam

 Es ist nicht, dich jede Sekunde neben mir zu wissen,

das wäre gewiss eine zeitlang ganz schön,

nein, es ist das Vertrauen, dass du an mich denkst,

wie ich an dich denke.

Und das da dein Herz für mich ist

wie meines für dich.

Foto von Pexels



Freitag, 12. Dezember 2025

Weihnachtliches Speisen wie bei den englischen Royals

 Ein Zauber glitzernder Sterne lag in der Luft. Ein Tannenbaum funkelte; Kerzen erleuchteten den Raum. Lichterketten überzogen die ein oder andere Wand. Und ein köstlicher Duft verströmte sich über die ganze Wohnung.

Die vier Freunde taten dies schon seit Jahren an Weihnachten. Sie wollten immer Single bleiben und hatten deshalb Weihnachten neu für sich definiert.

So wurde Heiligabend alles auf der Liste gemeinsam eingekauft und sorgfältig in der Küche von einem der vier Freunde verstaut. Am nächsten Tag trafen  sie sich dann alle vormittags in der Küche, und am frühen Nachmittag wurde geschmaust. Einmal schmausten sie wie König Ludwig der XIV., einmal wie vermutlich der Papst und diesmal fühlten sie sich in die Traditionen des englischen Königshauses geschmacklich ein.

Alles war festlich aufgebaut. Es ging los.

Nach der dampfenden klaren Brühe mit ein paar vereinzelten Sternnudeln darin als Auftakt folgte ein schönes Stück Shepherd's Pie. Diese Kombination aus Kartoffelbrei, Gemüse und Lammhackfleisch in Kuchenform liebreizte den Gaumen und machte Lust auf mehr.

Das ließ sich das Beef Wellington nicht zweimal sagen. Die aufgewärmten Geschmacksnerven konnten nun voll und ganz in den Aromen von Fleisch, Pastete, Pilz und Blätterteig schwelgen. Die dazu gereichten Yorkshire Puddings bildeten einen schönen Kontrast dazu.

Als Nachgang gab es hauchdünne Pfannkuchen mit Sirup. Der süße Sirup zerrann auf der Zunge, verführte zu mehr Süße.

Da standen schon die schönen Kristallgläser mit Trifle darin bereit. Durch Schichten von Sahne, Pudding, Gelee traf der Löffel auf in Sherry getränkte Löffelbiskuits.

Letztendlich ließ man dies alles drumherum weg und blieb beim Sherry.





12 von 12 im Dezember 2025: innere Klarheit

 Es wieder einmal der 12., und gleichzeitig der letzte 12. Tag im Monat von 2025. Viel Spaß mit den Fotos, und heute gegen Abend treffen wir uns alle bei Caro in "Draußen nur Kännchen".



Ein Tag im Dezember beginnt. Diese morgendliche Stille mag ich sehr.


Wieder daheim wird das gleich für die Buchhaltung notiert. Ich habe dieses Jahr auch gelernt, wie motivierend das Abhaken ist. Ich liebe mittlerweile Listen.


Weiter geht's mit dem Tagesgedicht. Erst die Handschrift, dann im Blog.


Morgen ist Adventsmarkt, wo ich Bilder von mir anbieten werde. Jetzt erstmal die letzte Zimtstange in einen Deko-Wichtel verwandeln. So ein Stand ist echt viel Arbeit.


Auch für morgen: Einen Kuchen backen für das Kuchen-Buffett. Für mich eine Herausforderung der besonderen Art.


Die 'Hardware' für die Hängung.


Hardware Teil 2 mit Deko.


Deko und Postkartenbilder.
Am Tag davor ist überall etwas verteilt,
Willkommen im Chaos.


Probehängen. Überall finden sich die neuen,
mit Aufhängung und "Rahmen" versehen Bilder
für den Adventsmarkt morgen.

Erst jetzt komme ich dazu, die im Advent tägliche kurze Geschichte niederzuschreiben.
In Kooperation mit Helen Dalibor, die sich die ganzen Titel ausgedacht hat und auch ihre eigenen Geschichten dazu schreibt, denke ich mir täglich Minutengeschichten zum Thema aus.
Lesen könnt ihr sie auf Instagram und im Blog.


Gewaschene Nasenlappen zum Trocknen aufhängen.


Abendspaziergang

Viele Grüße an euch, ihr Lieben!
Habt einen schönen Abend.



Ungefragt

Wer bist du, mir zu sagen, wovon du nichts weißt?

Nur einmal ich staune über deine Worte,

dann schweigt mein Herz dazu.

Mein Weg ist nicht, mit dir zu kämpfen,

Mein Weg ist, vorwärtszugehen, mir treu zu bleiben,

meinen Werten.

Nur dann bleibt stark mein Herz, bleibe ich mir selber treu.




Donnerstag, 11. Dezember 2025

Die offizielle Partnerin des Weihnachtsmanns

 Es war früher Nachmittag an Heiligabend. Ich besah mir noch einmal alles ganz genau. Perfekt. Heiligabend konnte kommen.

Ich hatte wochenlang vorher eifrig geplant und gesammelt und gebastelt, bestellt und aufgebaut. Jetzt war alles geschützt unter einem soliden Holzdach, umgeben von leichten Holzwänden bereit. Ich hatte es mir nicht nehmen lassen, die kleine Schutzhütte um einen kleinen Tannenbaum herum aufzubauen. Das Dach hatte ich ja eben erst befestigt, und nach Weihnachten entfernte ich es wieder. Dann hatte ich den Baum geschmückt. Schön lackierte Holzäpfel, -sterne und mancherlei anderes zierten ihn. Auch ein paar Blechvögel schmückten ihn, und an der Spitze prankte ein wundervoller Stern.

Neben dem Baum, in einer Ecke hatte ich reichlich Heu platziert. Schräg gegenüber, mehr zur offenen Seite hin hatte ich eine Kuhle mit Eicheln, Wurzeln und Knollen gefüllt. In eine Krippe hatte ich frische Zweige mit Knospen, eifrig gesammelten Schachtelhalm und Farnblätter gelegt. An den Wänden hatte ich in Kopfhöhe mehrere Bretter angebracht, auf denen Tellerchen mit unterschiedlichen Leckereien standen. Sonnenblumenkerne, Körner aber auch die beliebten Mehlwürmer in einer tieferen Schale standen bereit.

Hinter der Hütte bedeckte ich einige tote Mäuse, Nüsse und Beeren nur leicht mit etwas Reisig. Jetzt ging ich wieder zum Heu in der Hütte zurück. Dort konnte man gemütlich kuscheln und knabbern, während es draußen kalt oder gar nass war. Neben das Heu füllte ich zwei Kuhlen mit Äpfeln und Birnen und weiteren Nüssen auf. Direkt hinter den Nüssen hatte ich einen langen Zweig aufgestellt und befestigt, falls da jemanden nach klettern zu Mute sein sollte. Auf die andere Seite platzierte ich einen Teller mit Sonnenblumenkernen.

Jetzt trat ich hinaus und betrachtete alles. Nein, ich hatte nichts vergessen. In der Ferne hörte ich die ersten Glocken Heiligabends. Da stimmte auch ich das Lied der Weihnacht an. "Oh du Fröhliche", sang ich sanft und leise, öffnete meine Hände und richtete den Blick zum Himmel.

"Frohe Weihnachten, ihr Hasen und Kaninchen, ihr Wildscheine, ihr Rehe und Hirsche, ihr lieben Waldvögel, ihr Marder und Iltisse, ihr Mäuse und Eichhörnchen." 

Und jetzt war es Zeit, die Weihnachtshütte für die Waldtiere zu verlassen, damit sie die stille Zeit, während alle in der Christmette oder zu Hause bei ihren Geschenken sind, für sich nutzen konnten und jeder für sich, gemeinsam speisen konnte.


Foto von Nick Collins



Umlenkung

 Sturmwehen, tosende Wellen, ja, 

Wut ist manchmal unvermeidbar.

Aber ich nutzte sie stets 

Für mehr Kreativität.


viele bunte aufgespannte Regenschirme
Bild von Pexels


Mittwoch, 10. Dezember 2025

Lichterknollen

 Was, um alles in der Welt, sind Lichterknollen? Gibt es schon wieder einen neuen Trend, den ich verpasst habe? Ich denke noch an die Dubai-Schokolade, die ich nie getestet habe, mir aber herrlich meine Lachmuskeln trainiert hat - ein gesunder Effekt von Schokolade, nicht wahr? Ach, ich schon wieder mit dem Thema Schokolade.

Was aber hat es mit den Lichterknollen auf sich? Vorsichtshalber heimlich schlage ich im Internet nach. Da erscheinen zuerst Angebote für Knicklichter. Nun, wenn Knicklichter Knicklichter heißen, dann handelt es sich nicht um Lichterknollen, zwei Namen braucht schließlich keiner für dieselbe Sache.

Lichterknollen, Knollennase. Auch wenig sinnvoll.

Die nächsten Einträge handeln alle von einer Leuchterblume. Klingt interessant. Und dann steht bei einem Eintrag: "Die Leuchterblume ‘String of Hearts‘ ist eine perfekte Hängepflanze für indirekt beleuchtete Ecken. "

Eine Blume, die leuchtet? Ein Bild klärt auf, wo die Grammatik versagt. Eine Ampelpflanze verschönert natürlich eine helle Zimmerecke, und der Blumentopf kann natürlich mit einem Kerzenhalter, einem Teelicht, einer Lichterkette bestückt werden. Vielleicht hängt in der Ecke ja auch schon eine Zimmerlampe, zu der man die Ampelpflanze hängen könnte. So bekommt man also eine indirekt beleuchtete Zimmerecke hin. Muss ich glatt einmal ausprobieren. Die Lampe hätte ich nämlich schon parat.

Aber Knollen? Gut, ich glaube, die Leuchterblume ist eine Knollenpflanze. Leuchterknollenblumenpflanze. Aber es heißt ja Lichterknollen.

Erst durch Spicken komme ich darauf, dass es sich dabei um das Weihnachtsbaum-Lichterketten-Knäuel vom letzten Jahr handelt, das sich nicht entwirren lassen will. 

So einen Lichterknollen habe ich allerdings noch im Keller liegen. Praktisch, erspart mir den Versuch des Entwirrens. Kommt so, wie es ist, an den Baum. 



Zeiten

 Müde erwache ich von den Kämpfen der Nacht,

Hat doch die Erinnerung mit der Zukunft gerungen.

Zielsicher die Schar Kriegsgesänge gesungen,

Doch hielt ich stand. Nun ist der Morgen da,

In der Gegenwart sehe ich Punkt für Punkt ganz klar.

Und lebe Punkt für Punkt im Jetzt.






Dienstag, 9. Dezember 2025

Miniatur-Tannenbaum

 In den wilden Bergen des Nordens schneiden mal sanftere, mal tiefe Täler die Landschaft ein. Überzogen sind die Berge mit Wäldern, meistens Mischwäldern, doch können sich auch einzelne Flecken mit Tannenbäumen ausbreiten. Diese stehen dann so dicht beieinander, das ihre Zweige sich gegenseitig berühren können. Sie ragen mehrere Meter in die Höhe und stolz sind sie anzusehen. Am Boden befindet sich eine dicke Schichten alter Tannennadeln, sonst nicht viel, im Herbst Pilze, im Sommer nichts und im Winter Schnee. Der Schnee lässt die dunklen Tannen noch majestätischer wirken und man fragt sich, ob diese Bäume als Riesen geboren werden, denn sie scheinen alle mehr oder weniger gleichhoch zu sein.

Nun kann nicht jedes Tal in dieser Gegend durchschritten werden, aber dennoch reizt die Landschaft zur Erholung, und gerne besuchen Menschen die Wälder, um zu wandern, im Schnee zu tollen oder sich einen Weihnachtsbaum zu schlagen.

Manch schmaler Pfad findet sich erst unerwartet und führt dann durch die Wälder und Höhen. Auch diesen Pfad findet man nicht sofort. Erst nach einigen schroffen Metern öffnet er sich zu einem bequemen Weg, der sich zu etwa halber Talhöhe hinaufschwingt und entlang des Tals führt. Dann und wann gibt der Weg einen Blick ins Tal frei. Bei einem solchen Ausblick stolpere ich plötzlich beim Gehen. Ich sehe wieder auf den Pfad. Zunächst sehe ich nicht, worüber ich gestolpert bin. Ich sehe von rechts nach links und zurück. Und dann sehe ich Tannengrün aus dem Felsen hervorsprießen. Ein Miniatur-Tannenbaum hat mit seiner Wuchskraft ein Stück Felsen gesprengt und wächst jetzt halb in den Weg hinein.

Bild von Pixabay


Gedanken

 Welchen Gedanken soll ich nun wählen?

Soll ich mich hingeben der Freuden, 

den Wünschen und Sehnsüchten des Tages,

die mich meinen Zielen ein Stück näher bringen werden?

Mein Herz schreit: Ja!

Aber dann tritt Sorge vor, die mir in den Schlaf hinein folgte,

und schlendert mir vors Gesicht: Träumerin!

Foto von Julia Volk


Montag, 8. Dezember 2025

Motorsägenkunst

 Der Werkzeugschuppen platzte schon seit langem aus allen Nähten. Deshalb war es also auch kein Wunder, dass Werkzeuge keinen ordentlichen Platz für sich allein beanspruchen konnten. Ordnung konnte hier nicht aufrechterhalten werden.

Sina war den Tränen nahe. Aber eigentlich ging der Schmerz viel tiefer. Wieder einmal stand die Welt verkehrtherum. Sie hatte ihren Schreibtisch im Laden besetzt vorgefunden, und das von dem neuen Praktikanten. Sie war von ihrem eigenen Schreibtisch verbannt worden. 

Gut erinnerte sie sich daran, wie sie eindringlich darum gebeten worden war, sich diesen Schreibtisch einzurichten, dort ihre Rechnungen zu schreiben, Bücher online zu beschreiben und sie versandfertig zu verpacken. Und jetzt das.

Sina hatte den Werkzeugschuppen erreicht. Die Hecke vor ihrem Geschäftsräumen musste geschnitten werden. Sie griff dorthin, wo die Heckenschere ihren Platz hatte. Sicher landete sie in Sinas Händen. Ihr Herz schmerzte. Sie hoffte, durch die gleichmäßige Bewegung des Heckeschneidens zur Ruhe zu kommen und herausfinden zu können, was sie nun tun sollte.

Schritt für Schritt arbeitete sie sich an der Hecke voran. Plötzlich blieb alles still. Strom weg! 

"Was machst du da?"

Verzweifelt schaute Sina auf. Ihr Mann stand da, der der sie eben von ihrem Schreibtisch in seinem Laden vertrieben hatte.

Wütend senkte Sina ihren Blick und blickte direkt auf eine Motorsäge in ihren Händen.

Bild von Pixabay


Selbstlos

 Manchmal fühlt sich Schmerz wie Vulkanausbruch an.

Alles zerbirst in dir. Schreien-wollen vor Wut.

Siehst du nicht, was ich tue? Bisher dachte ich es.

Verletzt zu werden, ist der menschlichen Seele eigen,

Ein verletzter Hund an deiner Seite hüllt sich in Schweigen.

Foto von Clive Kim 



Sonntag, 7. Dezember 2025

Nasser Adventskranz

 Eichhörnchen und Streifenhörnchen saßen im Wald beieinander auf dem Boden. Da kam Max, das Frischling angerannt. 

"Stopp!" schrie Eichhörnchen auf und setzte an, Max auf die Nase zu springen.

"Was macht ihr da?" Er betrachtete, wie Streifenhörnchen Zweige miteinander verschlang. Immer zwei, drei Ästchen nebeneinander umwanden die nächsten zwei, drei Ästchen, so dass ein Geflecht entstand.

"Wir machen einen Adventskranz?"

"Was ist das?" fragte Max.

"Das ist ein Kranz aus Zweigen mit Lichtern drauf, die schön leuchten, bis der Jäger kommt und uns Nüsse, Samen und Körner bringt." erklärte Eichhörnchen.

Max staunte. "Bringt er auch Äpfel? Ich liebe Äpfel." Er war eben noch ein sehr kleiner Frischling.

"Vielleicht. Wenn du uns hilfst."

"Was soll ich tun?"

"Mausli, die Waldmaus bringt uns nachher die Kerzen für den Kranz. Du könntest schöne Blätter und rote Beeren zur Dekoration suchen gehen." "Mach ich."

Und so bauten die vier, denn Mausi war inzwischen dazugekommen, ihren Adventskranz unter ihrem Lieblingsbaum, der am großen Bach mit den großen Farnbüscheln stand, zusammen. Als er fertig war fragte Max: "Und jetzt?"

"Mausli, zündest du eine Kerze an?" "Jo. Halt mal diese Schachtel, bitte."

 Dann nahm sie einen Holzspann fest in zwei Pfoten und rannte wie der Blitz los, wobei ein Ende des Spans an der Schachtel entlangscharrte. Schon sprang eine Flamme auf, und Mausli entzündete damit die erste Kerze auf dem Kranz.

"Was ist das?" wunderte sich Max und näherte sich neugierig der Flamme mit seiner Schnauze.

"Nicht!" schrien Eichhörnchen, Streifenhörnchen und Mausli aus Leibeskräften. 

Aber zu spät. Max' Schnauze kam in die kleine Kerzenflamme. Der Schmerz ließ ihn mit allen vier Beinen  um sich treten. Dabei traf er einmal den ganzen Adventskranz, und - schwups - landete dieser mitsamt der Kerzen im rauschenden Bach.

"Oh, nein!" seufzten daraufhin alle drei Freunde.






Schauer

 Da reinigt Regen die Sorgen der vergangenen Woche aus der Luft.

Frisch weht Luftzug zwischen den Tropfen hin und her.

So enthebt sich das tagelang gewebte Spinnennetz 

des Wehs und Achs und Auweias und Wenn-dochs

von der Erde.

Ein Augenblick frische Reinheit entsteht.

Aber nur, wenn einmal im Regen alles schläft.


Bild von Davide Negro


Samstag, 6. Dezember 2025

Zum Nikolaustag

 Der Stern der Mitternacht 

Versöhnt die Herzen mit der Dunkelheit.

Das reine Leuchten reinigt von Schmerzen

Und lässt hoffen. Wo aber Hoffnung ist,

Ist wieder Raum für Miteinander, für Liebe.






Freitag, 5. Dezember 2025

(Ohne)

 Was weiß ich vom Starksein?

Zwingt mich nicht mein Irdischsein

In manche Not und Sorge hinein?

Aber manchmal ist's auch einfach schön.

Und so soll es wieder sein.


Bild von Erik Karits


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